Sich selbst zuliebe länger arbeiten

von Elisabeth Michel-Alder

Erstaunlich, die Unterschiede bei unseren Erwartungen ans Altern! In der Schweiz sind in der Altersgruppe 65 -74 aktuell 23% der Männer und 15% der Frauen erwerbstätig, etwa doppelt so viele möchten es freiwillig sein. Doch Interesse und Bereitschaft sind ganz unterschiedlich verteilt. Das hat mit sozialen Bezugssystemen und Erwartungen zu tun. Kulturschaffende und Freiberufliche haben traditionell keinen Grund, den Fluss ihrer Schaffenskraft zu stoppen. Erfahrenen Handwerker:innen geht es ähnlich, sie sind gefragt und auch mit 70 oft voll im Saft. Dörfliche Gemeinschaften mobilisieren ältere Mitglieder seit eh und je für zivilgesellschaftliche oder politische Aufgaben.

Langjährige Angestellte in grossen Organisationen dagegen haben die Ruhestandsgrenze recht solid im Gedankengebäude verankert und werden eifrig bestärkt - wobei grosse Branchenunterschiede ins Auge fallen. Im Finanzsektor beispielsweise gehört es zum guten Ton, frühzeitig auszusteigen. Klar, auch das individuelle Selbstbild spielt eine wichtige Rolle, und dieses verändert sich rasch in der aktuell heiss diskutierten Longevity-Diskussion. Das Stichwort lautet Selbstoptimierung. Im Forschungsprojekt "ältertätig" berichten reifere Engagierte auffällig oft über ganz persönliche "Gewinne" und sie meinen Kompetenztraining, Bewährungsproben, Demenzprävention, Bedeutungserhalt oder Inklusion.

www.aeltertaetig.ch

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